K├Ânnen wir wirklich vom Elterndasein abschalten?

Mutter unternimmt etwas mit Freundin ohne KinderVergangenes Wochenende hatten wir etwas ganz aufregendes geplant. Zwei meiner befreundeten M├╝tter und ich hatten beschlossen ├╝ber das Wochenende nach Berlin zu fahren. OHNE Kinder. Ohne Kinder? Das letzte mal mehr als 24 Stunden ohne mein eigenes Fleisch und Blut war ich… tats├Ąchlich vor ihrer Geburt. Denn zwar waren die beiden schon einige Male ├╝ber Nacht bei den Gro├čeltern oder diese bei uns, doch sp├Ątestens zum Mittagessen waren wir bisher immer zur├╝ck und nahmen die Kleinen wieder in Empfang. Bisher hatte mich das auch gar nicht gest├Ârt, ging es doch meist um Kinobesuche, Geburtstagsfeiern oder ein gemeinsames Abendessen als Paar. Doch dieses Mal sollte es anders sein. Der Grund f├╝r diesen Ausflug: Einmal nicht Mama sein!

 

Was bedeutet es einmal nicht Mama zu sein?

Wie definiert man das Gef├╝hl einmal nicht Mutter zu sein? Nur f├╝r zwei Tage, f├╝r ein einziges Wochenende.

  • Beim gemeinsamen Trinken von Wein nicht dar├╝ber nachzudenken, ob man den darauf folgenden Kater und die Betreuung von Kindern unter einen Hut bekommt
  • Die Uhrzeit f├╝r das Zubettgehen nicht davon abh├Ąngig zu machen wie weit sie vom Erwachen der Kinder weg ist.
  • Das Fr├╝hst├╝ck zu genie├čen, Br├Âtchen in einem Zug zu essen (wenngleich das am Tisch mit Freunden nat├╝rlich vor lauter Gequatsche kaum m├Âglich ist)
  • Sauber vom Esstisch aufstehen
  • Das Bad einmal ganz alleine benutzen ohne kleine Kinderarme um die Beine geschlungen zu haben
  • beim Essen nicht daran denken ob die Nudeln zu bissfest sind oder die Sauce zu scharf

Der Trip

Vorfreude?

Ach wie sehr habe ich mich auf diesen Trip gefreut. Oder? Naja. Soll ich ehrlich sein? In der letzten Zeit blieb mir zwischen Trotzphase der Gro├čen und Fremdelphase des Kleinen kaum Zeit f├╝r Vorfreude. F├╝r jegliche Gef├╝hle, die nicht f├╝r den Augenblick n├Âtig waren, war kaum Gelegenheit. Gerade deshalb war die Freude am Abend vor der Abfahrt aber dann doch wirklich gro├č.

Entfernt und doch alles im Griff ÔÇô offline gibt es nicht!

Ja, wir genossen es mit Bus und Stra├čenbahn gemeinsam durch die Stadt zu fahren ohne ein Auge auf Kinder haben zu m├╝ssen. Wir waren Sushi-Essen, tranken Wein und gingen ins Bett wenn uns danach war. Wir schliefen durch und standen auf wenn wir es wollten. Doch: Keine von uns hat es an diesem Wochenende geschafft, die Verantwortung ├╝ber die Kinder komplett abzugeben. Jede hat mit den Kleinen zuhause telefoniert, die V├Ąter oder Oma ausgefragt, wie der Tag verlaufen ist und wie sich alle f├╝hlen. Auf der einen Seite wollen wir einmal abschalten und die anderen machen lassen und auf der anderen sind wir nicht im Stande das selbst zuzulassen.

Die Eink├Ąufe „nur“ f├╝r Mama

Eink├Ąufe f├╝r Mama? Da macht sich ein breites Grinsen breit. Von allen L├Ąden, die wir gemeinsam besuchten, waren wir in den Spielzeugl├Ąden am L├Ąngsten. Wir kauften Mitbringsel f├╝r die Kinder, kauften Kleinigkeiten f├╝r die Adventskalender, st├Âberten durch die G├Ąnge und erfreuten uns daran, wie die Kinderaugen bei so manchem Geschenk leuchten w├╝rden. Am Ende waren die Taschen voll von Aufklebern, Stempeln und Prinzessin Lillifee-Schmuck.

Vom Wunschdenken in die Realit├Ąt ÔÇô k├Ânnen wir ├╝berhaupt noch Nicht-Mutter sein?

Irgendwie ist es schon traurig. Da f├Ąhrt man 600 km weit weg von den Kindern, l├Ąsst f├╝r ein Wochenende Windeln, Fl├Ąschchen und Wechselklamotten zuhause und hat die Tasche leer wie nie und dann das: Angst! Eine reale Angst, ein unangenehmes Gef├╝hl irgendetwas vergessen zu haben. War schon immer so wenig Inhalt in meiner Handtasche? Dieses kleine, leichte Ding ist einem schon fast fremd geworden.

In den ersten Stunden f├╝hlte es sich noch ein wenig so an, wie dass allmonatliche Abendessen mit den Freundinnen. Das Gef├╝hl am Abend ohne Kinder zu sein ist einem ja doch durchaus bekannt. Doch dann gehen Stunden ins Land, Stunden mit Gespr├Ąchen ├╝ber Gott und die Welt. Herrlich, endlich mal nicht ├╝ber den Windelinhalt von gestern, die Wutanf├Ąlle aus der Kita oder die schwierigen Schlafgewohnheiten der Kleinsten zu sprechen. Und doch: Immer wieder ertappe ich uns bei Gespr├Ąchen ├╝ber den Alltag. Und da sitzen wir wieder: Als M├╝tter, im Gespr├Ąch ├╝ber Kinder. Weil diese Tatsache, und das wird uns allen an diesem Wochenende bewusst, einfach nicht zu leugnen ist. Einmal mit dem Mutter-Virus infiziert, ist es schier unm├Âglich dieses Gef├╝hl der Verantwortung und diese Verbundenheit komplett zu ignorieren.

Wir wachen um neun Uhr morgens sp├Ątestens auf, weil unser K├Ârper sich bereits daran gew├Âhnt hat. Genau wie er sich daran gew├Âhnt hat immer ein Kinderlachen um sich zu haben, Stresssituationen t├Ąglich zu ertragen, wenig zu schlafen und kaum zur Ruhe zu kommen. Und dann, wenn wir die Gelegenheit bekommen reicht die Zeit nicht aus um einen Entzug durchzumachen, den K├Ârper und Geist frei von seinen Gewohnheiten zu bekommen.

Aber: Liebe Mamas, ganz ehrlich?! Wollen wir von dieser Droge ├╝berhaupt loskommen?

 

Was sagt ihr dazu?

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