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Baby Stillen oder Fläschchen

Stillen oder FläschchenEin Thema mit dem sich Frauen vor der Geburt ständig beschäftigen:

Will ich stillen oder Fläschchen geben?

Das sich werdende Mütter darüber den Kopf zerbrechen, obwohl die Natur das mit dem Stillen ja selbst eingerichtet hat, hat viele Gründe:

Da geht es um die Angst zu scheitern, ein Unwohlsein beim Gedanken das Baby an die Brust zu lassen, Fragen zu Kosten und zur generellen Alltagsgestaltung und und und…

Ich wollte das Thema einmal von genau dieser Seite aufrollen und die rein gesundheitlichen Aspekte außen vor lassen. Denn die wissenschaftlichen Meinungen, wie viele Mütter älterer Kinder sicherlich bestätigen können, wechseln zum einen ständig und sind so extrem unterschiedlich, dass man sich hierüber durch allerlei Recherche wirklich besser selbst eine Meinung bilden sollte.

Stillen oder Fläschen – die Frage einmal ganz nüchtern betrachtet

Gehen wir von einer Frau aus, die die Wahl hat ob sie stillen möchte oder das Baby mit Fläschchen füttern möchte hat und sich bereits vor der Geburt entscheiden möchte, ob es den Versuch zu stillen wert ist. Und lassen wir den gesundheitlichen Aspekt wie erwähnt einmal außen vor. Welche Vor- und Nachteile haben denn die beiden Varianten?

Stillen

Vorteile:

  • die Milch ist immer „griffbereit“
  • Milch hat immer die richtige Temperatur
  • es gibt keine Reste, wenn das Baby doch keinen Hunger hat
  • es entstehen kaum Kosten
  • wenig Aufwand
  • Muttermilch gilt als besonders gesund

Die Vorteile beim Stillen liegen eigentlich auf der Hand. Das geht fast als Wortspiel durch, denn der eben größte Vorteil beim Stillen ist, dass man stets alles bei der Hand hat. Nämlich sich selbst. Wohlig warm und doch nicht zu heiß, liegt die Temperatur der Milch stets bei ca. 37 Grad. Liegt der Verdacht nahe das Baby hat Hunger, wird es einfach angelegt. War’s dann doch die volle Windel die stört, auch gut, die Quelle bleibt ja haltbar.

Es ist mitten in der Nacht und das Baby weint. Alles kein Problem: Hat man einen kleinen Gast im Ehebett muss lediglich das Nachthemd gelüftet werden. Während der Knirps trinkt, kann Mama weiterschlafen. Selbst wenn das Baby im eigenen Zimmer schläft kann man im Halbschlaf hinüberwackeln, sich das Kleine auf den Schoß nehmen, anlegen und nach getaner Arbeit ebenso im Halbschlaf zurückwackeln.

Der Kostenfaktor ist natürlich nicht außer Acht zu lassen. Die Kosten sind nämlich beim Stillen auf Dauer wesentlich geringer und überschaubarer als beim Fläschchen.

Im Normalfall würden nun noch viele, viele Zeilen darüber folgen wie gesund stillen ist. Das wird uns schon von Oma mitgegeben. Ich denke zumindest die positive Wirkung bezüglich Nähr- und Abwehrstoffe ist allgemein bekannt und kann auch von Still-Gegnern nicht wiederlegt werden. Wie stark Muttermilch heutzutage möglicherweise laut so manchem „Stillgegner“ belastet ist, ist wieder ein anderes Thema.

 

Nachteile: Mama muss auch zurückstecken

  • der Start kann schmerzhaft sein
  • Milcheinschuss und die große Brust können belastend empfunden werden
  • öffentliches Stillen kann nicht immer vermieden werden
  • häufig sind Stilleinlagen nötig
  • Alkohol ist tabu
  • Einschränkungen bzgl. der Ernährung
  • Mama als alleiniger Versorger

Die weibliche Brust ist zwar zum Stillen von der Natur ausgelegt, dennoch macht sie es der gerade gewordenen Mutter nicht immer einfach. Die Brustwarzen sind zu Beginn äußerst empfindlich und die ersten Male können unangenehm oder sogar schmerzhaft sein. Nicht selten werden sie auch wund. Je nach eigener Befindlichkeit und dem Stillverhalten des Kindes kann dies zu einer großen Qual werden. Von Frau zu Frau ist diese unangenehme Zeit unterschiedlich lang, manchmal auch gar nicht vorhanden. Das Risiko besteht jedoch immer.

Ein weiterer Negativpunkt kann gegebenenfalls von mancher Mutter, als auch dem frisch gebackenen Papa als Vorteil gesehen werden. Wartet den Morgen nach dem Milcheinschuss einmal ab und seht morgens in den Spiegel. Nicht, dass man es nicht schon an den Spannungsgefühlen unterhalb des Halses merken würde, doch spätestens wenn einem im Spiegel die frisch operierte Dolly Buster entgegenblickt, könnte man leicht schockiert sein. Der Brustzuwachs kann wirklich sehr beträchtlich sein. Das wirkt sich natürlich auch auf die Körperform aus. Meist auch auf Dauer. Nur selten ist eine Brust nach dem Stillen noch genau wie vorher. Sie kann größer aber auch kleiner sein als zuvor. Bei großen Unterschieden leidet, wie zu erwarten, auch oft das Gewebe.

Ein Punkt ist für viele Mütter ein K.O.-Kriterium. Auch ich war nie ein Fan von FKK oder Sauna. Ein natürliches Unwohlsein beim öffentlichen Stillen muss ich wohl eingestehen. Nicht immer ist man gerade in der hintersten Ecke eines Restaurants oder findet einen netten Stillraum. Ist man – wie ich – ein Mensch, der gerne unter Leuten ist, passiert es schonmal das man an der vollbesetzten Bushaltestelle sitzt, im Restaurant am mittigsten Tisch, kein Nebenraum zur Verfügung oder gerade beim Grillen am See. Da hilft dann nur Augen zu und durch und hoffen dass andere ihre Blicke ebenso abwenden. Nicht selten wird man schief angesehen, wenn man seine nun mal deutlichsten Geschlechtsmerkmale auspackt.

Verwirte Blicke kann es auch geben, wenn man falsche oder keine Stilleinlagen nutzt. Denn Mutter Natur hat schlau angelegt, was schnell peinlich werden kann: Schon beim kleinsten Schrei eines Kindes (und das kann auch ein Fremdes sein) schießt die Milch im Überfluss. Was einem sicherlich nicht passieren wird ist, dass man zu betrunken zum stillen ist, denn Alkohol ist während der Stillzeit ein Tabu. Hat das Baby einen einigermaßen regelmäßigen Rhythmus gefunden kann man zwar Milch abpumpen, jedoch muss man bedenken, dass die Milch je nach Tageszeit eine andere Zusammensetzung besitzt und z.B. zur Nacht die am Morgen abgepumte Milch auch nachteilig wirken kann. Ist Mama dann nicht zuhause oder hat noch Alkohol im Blut wird das schnell zum Belastungstest.

Auch die Ernährung muss weiterhin auf das Kind abgestimmt sein. Besonders empfindliche Babies reagieren stark auf blähende Nahrungsmittel. Auch Speisen die die Milch im Geruch verändern, können zur sogenannten Saugverwirrung führen. Wer war nicht schonmal nach dem Genuss von Spargel auf Toilette und dachte sich „Ok. Das ist ein etwas anderer Geruch“ 🙂 Dem kleinen Menschlein geht es genauso.

Fläschchen statt Stillen

Warum reizt es so viele Mütter das Fläschchen der Brust vorzuziehen?

  • kein Entblößen in der Öffentlichkeit
  • Füttern kann auch von anderen Übernommen werden
  • Mütter bekommen ggf. mehr Schlaf
  • Eltern haben mehr Freiheiten bzgl. Babysitter etc.
  • keine Einschränkungen bzgl. Ernährung oder Alkoholkonsum
  • fördert die Bindung zwischen Baby und Papa
  • die genaue Trinkmenge kann bestimmt werden

Wie erwähnt ist man vor allem nicht gezwungen sich in der Öffentlichkeit zu entblößen. Die Flasche liegt völlig unspektakulär in der Hand. Kaum einen Sitznachbarn im Restaurant wird das stören. Das zufriedene Schmatzen eines Kindes rührt da wohl jeden Zuseher eher zu lauten Seufzern.

Mitunter das Hauptargument für das Geben einer Flasche ist die Möglichkeit das Füttern unter den Eltern aufzuteilen. Das bedeutet die Mama bekommt mehr Schlaf. Viel mehr Schlaf! Man kann sich nach jedem Stillen oder auch Nacht für Nacht abwechseln.

Väter haben schon in den ersten Lebenstagen des Kindes viele Gelegenheiten mehr um die Bindung aufzubauen als Väter von gestillten Kindern. Sie können stets in den Tagesablauf eingebunden werden und kommen sich nicht ausgeschlossen vor. Auch die Möglichkeit als Vater die Betreuung generell zu übernehmen, d.h. Hausmann zu sein ist für viele äußerst interessant.

Das Hauptmerkmal der weiblichen Figur bleibt nahezu im Originalzustand erhalten. Natürlich wird die Brust während der Schwangerschaft größer, kein Vergleich jedoch zum Milcheinschuss.

Alkohol, fettige oder blähende Speisen am Weihnachtsabend – kein Problem. Mama und Papa wollen einen freien Abend? Auch kein Problem, denn die Milch kann jeder anrühren. Für manche Mütter auch ein wichtiger Punkt ist es, die Möglichkeit zu haben, zu sehen wie viel das eigene Baby getrunken hat. Viele machen sich große Sorgen ob das Baby genug Milch bekommt, ob es genug trinkt um sich gut zu entwickeln. Klar, zwar könnten sich Mütter vor und nach dem Stillen wiegen, aber wer macht das schon? Und dennoch: es gibt beim Geben der Flasche noch eine Menge Nachteile.

Nachteile beim Fläschchen statt Stillen:

  • hohe Kosten für Milchpulver und Zubehör
  • Aufwand die Milch zuzubereiten
  • viel Milch, die ungetrunken im Abguss landet
  • Zubehör muss überall mit hin genommen werden
  • Milch ist nicht immer sofort trinkbereit (aufgrund falscher Temperatur)

Der Hauptkritikpunkt neben den gesundheitlichen Aspekten für das Kind sind die Kosten. Neben zahlreichen Flaschen und Saugern benötigt man ein Gerät zum Sterilisieren und Thermoskannen für unterwegs. Und dann erst die Nahrung selbst: So verbraucht man bei einem Säugling schonmal jede Woche ein Paket Milchpulver oder auch mehr. Die Qual der Wahl nach dem Richtigen kann einen schier in den Wahnsinn treiben. Da steht man vorm Supermarktregal und sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Von 3 bis 14 Euro je Packung ist der Spielraum rießig. Natürlich will man für sein Kind das Beste und die Auswahl wird zur Belastungsprobe. Tut es billig auch? Ist teuer gleich besser? Sollte es Pre-Milch sein, braucht mein Kind noch 1er oder vielleicht sogar schon 3er? Oder doch vielleicht stets bei PRE bleiben? Die Foren sind voll von Diskussionen darüber und ein jeder Arzt hat eine andere Meinung.

Nun hat man tatsächlich eine Wahl getroffen und das Kind hat Hunger. Wahrscheinlich. Vielleicht. So sicher ist man sich ja nicht immer. Also braucht man ein sterilisiertes Fläschchen, den richtigen Sauger, abgekochtes Wasser und Geduld. Denn dann muss die Milch erstmal abkühlen. Nicht schütteln, sondern rühren, denn das Baby soll keine Blähungen bekommen. Das Milchpulver löst sich hoffentlich gut auf, denn sonst verstopft der Sauger auch gerne mal. Geschafft. Und dann? Der Kleine verweigert das Fläschchen. Hat man richtig Pech wehrt sich der kleine Mensch generell gegen Flasche und will die Brust. Dann hilft nur Durchhalten. Denn die Wahl hat man ja leider nicht. Der Hunger sorgt auf Dauer schon dafür das getrunken wird. Im besseren Fall hat das süße Ding einfach nur keinen Hunger. Dann fließen allerdings einige Euro den Abguss hinunter, denn haltbar ist Pulvermilch nicht. Und das Fläschchen steht da. Muss gereinigt und sterilisiert werden.

Ist man Unterwegs ist die Tasche gut gefüllt. 4 Stunden unterwegs bedeutet Pulver, drei Flaschen (falls man zwischendurch keine Möglichkeit hat sie zu waschen), eine Thermoskanne heißes Wasser und eine Kanne Kaltes, damit man nicht warten muss bis das Wasser runtergekühlt ist. Auch wenn man schnell im Mischen ist kann es einen Moment dauern und so manch Baby schreit in der Zwischenzeit als möge es jemand umbringen.

Auch in der Nacht kann die Anrichtezeit an die Nerven gehen. Bis die Flasche tatsächlich fertig ist, ist man in jedem Fall wach.

Stillen oder Fläschchen – Fazit

Für welche Variante man sich entscheidet ist sicherlich oft noch von viel mehr Faktoren abhängig. Ganz persönliche Abneigungen gegen das Stillen an sich oder berufliche Umstände, bei denen das Geben von Fläschchen sinnvoller erscheint – für alles gibt es gute Argumente.

So ist die Entscheidung sicherlich so individuell wie jedes kleine Wesen, dass mit dieser Entscheidung dann Leben wird. Wir Eltern wollen stets das Beste für die Kleinen, so gut wir eben können und so denke ich: Keine Entscheidung ist grundsätzlich richtig oder falsch!


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Kommentare

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16. SSW (Schwangerschaftswoche) – ein kleiner Schmetterling? 16. August 2013 um 11:56

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17. SSW (Schwangerschaftswoche) 23. August 2013 um 08:57

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Katrin 20. Januar 2014 um 07:46

Die Vorteile des Stillens und Fläschchens sind sicherlich jedem klar. Und JA, ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Mein Kleiner bekommt von Anfang an Beides, da die MuMi leider nicht reicht.

Jedoch ist das mit Fläschchen unterwegs gar nicht so dramatisch, wie hier beschrieben. Es gibt sehr gute Thermotaschen für Fläschchen, die diese dann ca. 4 Std. warmhalten. Zudem kann man einmal fertig gemachte Fläschchen sehr wohl für 12 Std. im Kühlschrank aufbewahren. Also kein Problem, wenn Baby doch keinen Hunger hat. Zudem ist in der Pre-Nahrung alles enthalten, was Baby braucht. Nicht umsonst wird diese Nahrung strengstens geprüft.

Ich möchte das Stillen zwar nicht missen, trotzdem ist das Fläschchen vollkommen ok und eine gute Alternative.

Antworten

Lisa Werner 20. Januar 2014 um 07:57

Hallo Katrin,

Lieben Dank für deine Erfahrungen. Wahrscheinlich empfinden es (wie bei vielen anderen Themen auch) die Mütter unterschiedlich „nervig“ Fläschchen und Co. mit sich zu haben. Ich selbst habe bei meinem zweiten Sohn ja auch ab dem 6. Monat aufgehört zu stillen und Fläschchen gegeben. Gibt es denn eine Thermotasche die du empfehlen kannst? Meine Milchfläschchen wurden meist schon innerhalb kürzester Zeit kalt.
Zur Aufbewahrung im Kühlschrank hört man unterschiedliche Meinungen. Meine Hebamme war nicht davon begeistert einmal angerührte Milchfläschchen länger aufzubewahren. Aber vielleicht ändern sich hier die Richtlinien ähnlich oft wie beim optimalen Zeitpunkt für den ersten Brei. Da sind sich die Hebammen ja auch nicht immer so einig 😉

Fläschchen sind wie du sagst natürlich eine gute Alternative für Mütter die aus div. Gründen nicht stillen möchten oder können.

Antworten

Saugverwirrung 25. September 2015 um 11:29

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