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Kaiserschnitt auf Wunsch oder natürliche Geburt?

Unterhält man sich mit anderen Müttern über die eigene Schwangerschaft und die Geburt fällt einem in letzter Zeit eines vermehrt auf: Immer mehr Mütter erleben ihre Geburt per Kaiserschnitt. Mittlerweile über 20 Prozent der aktuell in Deutschland geborenen Säuglinge erblicken das Licht der Welt im OP. Verglichen mit den letzten 20 Jahren ist das ein Anstieg von mehr als 100 Prozent. Vor allem beim in Betracht ziehen der Begründungen zur Kaiserschnitt-Entscheidung fällt auf, dass immer seltener eine medizinische Indikation zu Grunde liegt.

 

Ein geplanter Kaiserschnitt wird medizinisch nur unter folgenden Gründen empfohlen:

  • Übertragbare Geschlechtskrankheiten, wie eine HIV-Infektion der Mutter
  • ein zu schmaler Geburtskanal
  • Zwillings- bzw. Mehrlingsschwangerschaften
  • eine falsche/schlechte Lage des Kindes
  • vorzeitige Plazentalösung
  • anderweitig bestehende Gefahr für Mutter und Kind

Auch während einer natürlichen Geburt kann ein Kaiserschnitt plötzlich von Nöten sein:

  • zu langsamer oder schlechter Geburtsfortschritt bis hin zu Geburtsstillstand
  • Blutungen während der Geburt

Doch immer mehr Mütter wünschen sich auch ohne medizinische Notwendigkeit einen Kaiserschnitt. Neben der Angst vor den Geburtsschmerzen ist es auch die Furcht vor dem Ungewissen die zu dieser Überlegung drängt. Keine Geburt gleicht der anderen und so kann einem niemand genau sagen, wie sie im eigenen Fall verläuft.

Welche Vorteile hat ein geplanter Kaiserschnitt? (primäre Sectio)

  • geplanter Zeitpunkt
    Die terminlich festgesetzte Entbindung hat zwei große Vorteile. Neben beruflichen Gründen, die z.B. selbstständige Frauen zwingt ihre Geburt tatsächlich zu planen, bringt ein fest gesetzes Datum schlichtweg Sicherheit. Die Ungewissheit nicht zu wissen wann die Geburt beginnt und ob sie dann auch tatsächlich beginnt ist genommen. Um das Risiko zu minimieren, dass die natürliche Geburt noch zuvor einsetzt wird der Termin meist auf 14 Tage vor errechnetem Entbindungstermin gelegt.
  • geplanter Ablauf
    Anders als bei der natürlichen Geburt wirken Komplikationen kalkulierbar. Ein Kaiserschnitt erfolgt stets nach dem selben Ablauf, selten treten unerwartete Situationen ein.

Neben diesen natürlich verständlichen Gründen, die Frauen dazu bewegen sich für einen geplanten Kaiserschnitt zu entscheiden, sind unbedingt auch die Risiken und Probleme eines solchen zu bedenken.

Risiken und Folgeprobleme eines Kaiserschnitts

Während der Operation
  • Narkoserisiko
    Beim Kaiserschnitt gibt es die Möglichkeit einer Spinal- (Betäubung der Hüfte abwärts) und unter Umständen auch einer Vollnarkose (komplette Betäubung). Bei einer solchen besteht immer die Gefahr von Atmungs- und Herz-Kreislaufstörungen. Auch eine allergische Reaktion kann zum Risiko werden
  • Infektionsgefahr
    Eine große offene Wunde birgt auch die Gefahr einer Infektion. Verglichen mit einer natürlichen Geburt ist die Sterblichkeitsrate bei einer Operationen tatsächlich erhöht.
  • Verletzungen anderer Organe oder unerwartete Blutungen
Probleme nach der Geburt (postoperative Probleme)
  • Atemprobleme beim Baby
    Während einer natürlichen Geburt wird das Fruchtwasser automatisch aus den Lungen des Babys gepresst. Dieser Prozess geht beim Kaiserschnitt verloren und muss manuell vom Klinikpersonal durch Absaugen ersetzt werden.
  • Trauma bei Mutter und Kind
    Auch bei einem Wunschkaiserschnitt haben Mütter oft nach der Geburt das Gefühl als fehle ihnen der direkte Bezug zum Kind. Als Abschluss der Schwangerschaft ist gerade die natürliche Geburt ein Prozess der Mutter und Kind verbindet. Dieser geht in der klinisch sterilen Atmosphäre des Operationssaals oft völlig verloren.
  • Schlechte Narben- und Wundheilung
    Diese Heilungsprobleme sind ein häufiges und schmerzhaftes Risiko jeder Operation. Auch bei Folgeschwangerschaften kann ein vorausgegangener Kaiserschnitt Probleme verursachen.
  • Stillprobleme
    Typisches Phänomen einer frisch gebackenen Mutter im Krankenhausbett nach einem Kaiserschnitt sind Stillprobleme. Während einer natürlichen Geburt ausgeschüttete Hormone bringen den Milchgang in Fluss. Der Milcheinschuss findet meist nach 1 bis 2 Tagen statt. Diese Hormone fehlen bei einem Kaiserschnitt. Dadurch kann es nach einer solchen Geburt oft weit länger dauern, bis das Stillen richtig klappt.

Der Wunsch nach einem Kaiserschnitt ist in Anbetracht der Ängste vor einer Geburt zwar verständlich, dennoch sollte man sich vor der Entscheidung zum Wunschkaiserschnitt sehr gründlich über den medizinischen Hintergrund, sowie körperliche und psychische Nebenwirkungen informieren. Fragen Sie Ihren Arzt oder Hebamme um sich in Ihrer Entscheidung wohl zu fühlen.


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Kommentare

Kai 13. April 2013 um 10:23

Danke für diesen interessanten Artikel. Wir haben zwar noch ein wenig Zeit bis zur Geburt, aber ich bin über jede Info froh die ich so finde. Habe den Artikel in meinem Blog verlinkt, hoffe es ist ok für dich.

Antworten

Lisa Werner 13. April 2013 um 20:11

Hallo Kai,
es freut mich, dass dir mein Blog gefällt und es ist natürlich auch ok, wenn du auf mich verlinkst. Ich wünsche euch noch eine schöne entspannte Zeit bis zur Geburt (und dann selbstverständlich ganz viel Kraft!) und hoffe, dass ich euch mit noch vielen weiteren Tipps helfen kann.

Antworten

Nabelschnurblutspende – sollten wir das tun? 12. Januar 2014 um 19:34

[…] lange wird die Geburt dauern? Wird es tatsächlich eine spontane Geburt werden oder wird das Baby per Kaiserschnitt zur Welt kommen? Diese Fragen können aber fast nie zufriedenstellend beantwortet werden. Manch andere Dinge […]

Antworten

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