Skip to main content

Geburtseinleitung
-Notwendigkeit, Ablauf, Dauer, Risiken…

Frauen, die mit dem zweiten oder dritten Baby schwanger sind kennen dieses Phänomen bereits, denn kaum eine kann die letzten Wochen und Tage der Geburt tatsächlich noch ausgiebig genießen. Je näher der errechnete Geburtstermin rückt, desto ungeduldiger wird die werdende Mutter. Selbst wenn man sich vom bevorstehenden Ereignis ab und an lieber ablenken würde, ist das kaum möglich. Denn, da sich der Körper der Frau auf die nahende Geburt vorbereitet, ist eine enge Überwachung durch die Hebamme und/oder den betreuenden Gynäkologen wichtig. Natürlich, denn so können Ärzte und Hebammen bei Problemen oder Komplikationen rechtzeitig eingreifen oder schlichtweg alles dafür tun um eine möglichst schonende Geburt zu erreichen. Nicht immer ist der schonendste Weg dabei auch der natürlichste. Denn, nach sorgfältiger Abwägung diverser Geburtsrisiken oder aufgrund von Gefahren durch ein mögliches Übertragen des Baby, kann eine Geburtseinleitung von Nöten sein.

Insgesamt 25 % der  Geburten in Europa erfolgen auf eine Einleitung.

Wann spricht man von einer Geburtseinleitung?

Die Geburtseinleitung an sich beschreibt im Grunde lediglich das künstliche Auslösen von Wehen. Das ist zum Einen über die Gabe von Hormonen möglich, durchaus aber auch durch andere „Provokationen“. Während die Gabe von Hormonen lediglich im Krankenhaus unter Aufsicht von Ärzten stattfindet, kann so manches Mittel zum Stimulieren von Wehen auch zuhause angewandt werden. Bekannt ist im Zuge der Geburtseinleitung beispielsweise der sogenannte „Wehencocktail“ – ein eigens gemischtes Getränk der Hebammen, das Wehen anregen soll. Er beinhaltet beispielsweise eine sehr große Menge an Öl, was eine verstärkte Darmbewegung auslösen und somit die Geburt in Gang bringen soll. Auch Tamponaden mit ätherischen Ölen gelten als recht schonende Methode zur Geburtseinleitung. Bei beiden Methoden bedarf es allerdings einem reifen Baby. Das bedeutet: Ist das Baby noch nicht übertragen bzw. „bereit für die Geburt“, so nützen auch solche Einleitungsversuche nichts. Stattdessen leiden Frauen dann vor allem unter den Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Durchfall. Besteht die Notwendigkeit einer zuverlässigen Geburtseinleitung, so ist in jedem Fall die Gabe von Hormonen, zumeist über einen venösen Zugang, gefragt.

Wann ist eine Geburtseinleitung notwendig?

Wie erwähnt ist vor allem das Übertragen eines Babys Grund für eine Geburtseinleitung. Üblicherweise werden Ärzte und Hebammen ab dem 10. Tag nach errechnetem Entbindungstermin tätig. Vermieden werden soll eine Unterversorgung des Babys durch die starke Alterung der Platzenta. Ein Zeichen dafür ist die gelb- bzw grünfärbung des Fruchtwassers.

Weitere Gründe

Natürlich gibt es immer wieder Schwangere, die sich nichts sehnlicher herbeiwünschen als den Beginn der Geburt. Doch eine Geburtseinleitung ausschließlich auf Wunsch der Mutter findet nur äußerst selten statt. Grundsätzlich wird eine spontane Geburt mit natürlichem Wehenbeginn stets vorgezogen. Das liegt zum Einen an den verabreichten Medikamenten, als zum Anderen am durchaus schwierigerem Ablauf der Geburt bei einer Einleitung.

Wann ist eine Geburtseinleitung nicht möglich?

Nicht immer ist eine Geburtseinleitung sinnvoll bzw. möglich. Manch Umstand in einer Schwangerschaft macht einen Kaiserschnitt unumgänglich.

  • Genitalherpes
  • Allergie auf geburtseinleitende Medikamente wie Prostaglandine
  • Verlagerung der Platzenta (Placenta praevia)
  • Nabelschnurvorfall, d.h. geklemmter Nabelschnur beispielsweise nach Abgang des Fruchtwassers
  • in Folge diverser Operationen an der Gebärmutter
  • zu kleinem Beckenskelett der Mutter

Ablauf

Ziel einer Geburtseinleitung ist es, einen Kaiserschnitt abzuwenden und der Frau die Möglichkeit zu geben natürlich bzw. spontan zu entbinden. Für gewöhnlich arbeiten auch Ärzte und Hebammen mit aufsteigender Intensität, um die Wehen auf natürliche Weise, ohne die Gabe von Hormonen, auszulösen. Das bedeutet, dass sie z. B. zunächst lange Spaziergänge und Tees empfehlen. Auch eine Massage des Muttermundes durch die Hebamme kann helfen. Erst wenn diese leichten Hilfsmittel keinen Erfolg zeigen, greifen Ärzte zum Einsatz von Hormonen. Dazu wird der werdenden Mutter entweder in regelmäßigen Abständen Medikamente in Form von Vaginal-Tabletten oder Gels verabreicht bzw. direkt auf den Muttermund aufgetragen oder aber ein Zugang gelegt über den stetig wehenauslösende Medikamente fließen. Bei beiden Methoden bedarf es einer stetigen Überwachung, d.h. stationärer Aufnahme in eine Klink. In Geburtshäusern oder bei Hausgeburten kann deshalb keine Einleitung in Form von Medikamentengabe stattfinden.

Dauer

Die genaue Dauer einer Geburtseinleitung ist auch wie die der eigentlichen Geburt nur schwer vorherzusagen.

Bei der Gabe von wehenauslösenden Medikamenten auf den Muttermund spricht man meist von mindestens sechs Stunden bis zum Eintreten der ersten Wehen, dann kann eine erneute Gabe in Betracht gezogen werden. Es kann durchaus bis zu 24 Stunden dauern bis die Geburt in Gang kommt.

Bei intravenöser Gabe von Medikamten kommt es weit schneller zu ersten Wehen, allerdings können diese immens stark und langanhaltender sein als natürlich entstandene Wehen oder jene nach Gabe von Hormonen über den Müttermund, weshalb man das Verabreichen über die Vene nicht vorzieht.

Risiken

Bei künstlichen Geburtseinleitungen und der Gabe von Hormonen kommt es oftmals zu sehr langen und besonders schmerzhaften Wehen, weshalb häufig eine PDA schmerzbedingt kaum zu umgehen ist. Dies liegt an der starken Stimulation der Gebärmutter und stellt auch eines der Risiken der Geburtseinleitung dar. Durch eine künstliche Einleitung kommt es um ein Vielfaches häufiger zu einem Kaiserschnitt als bei einer Spontangeburt. Auch für das Kind ist eine eingeleitete Geburt manchmal eine Belastung. Die Hohe Gabe von Hormonen verursacht Stress während der Geburt, die vielen, starken Wehen erhöhen den Herzschlag des Babys, weshalb dieser ständig über das CTG beobachtet wird. Babys, die infolge einer Einleitung zur Welt kommen, haben immer wieder auch größere Anpassungsschwierigkeiten.

Richtige Vorbereitung auf die Geburtseinleitung

Je besser die werdenden Mütter informiert sind, desto besser verkraften sie die Geburt. Vor allem die Hebamme ist den Frauen eine wichtige Vertrauensperson. Im Idealfall lernen sich beide bereits im letzten Drittel der Schwangerschaft besser kennen, sodass die Hebamme die Belastungsgrenze der Schwangeren einschätzen kann und ggf. eingreift. Die vorbereitenden Kurse tragen ebenso dazu bei, dass die Geburt auch mit einer Einleitung leichter zu verkraften ist. Dazu gehört vor allem die richtige Atemtechnik, die in Kursen vermittelt wird. Aber auch der begleitende Partner kann mit unterstützenden Massagen Schmerzen deutlich lindern und der Gebärenden Kraft geben (hier zum Artikel: Väter im Kreißsaal – was können sie tun?).

Man sollte sich immer bewusst sein: Wünsch aller betreuenden Ärzte und Hebammen ist, dass die werdenden Eltern die Geburt trotz künstlicher Einleitung jederzeit bewusst empfinden und möglichst entspannt durchleben können. Oberstes Ziel ist die Gesundheit von Mutter und Baby, die im Anschluss an eine oftmals sehr anstrengende und aufregende Geburt das ganz normale Familienglück erleben können.

Interessante Bücher zum Thema Geburt


Ähnliche Beiträge



Kommentare

Iris H. 15. Dezember 2017 um 13:00

„Durch eine künstliche Einleitung kommt es um ein Vielfaches häufiger zu einem Kaiserschnitt als bei einer Spontangeburt.“

Das ist so nicht richtig. Nicht die künstliche Einleitung erhöht das Risiko für einen Kaiserschnitt, sondern die Gründe, die zu einer Einleitung führen (Kausalität). Die Einleitung per se (nach Terminüberschreitung um mindestens eine Woche, d. h. nach der 41. Woche) verringert sogar die Kaiserschnittrate etwas im Vergleich zum weiteren Abwarten (und daraus resultierender steigender Komplikationsrate bei größeren / schlecht versorgten / etc. Kindern).

Mit freundlichen Grüßen
Iris A.

Quelle: Gülmezoglu AM, Crowther CA, Middleton P, Heatly E. Induction of labour for improving birth outcomes for women at or beyond term. Cochrane Database Sys Rev 2012; 4: CD004945.

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *