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Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

 

Bei einer Fruchtwasseruntersuchung – auch Amniozentese genannt – wird die Fruchtblase einer schwangeren Frau punktiert und etwas Fruchtwasser entnommen. Die sich im Fruchtwasser befindenden kindlichen Zellen werden dann im Labor auf mögliche Gendefekte wie das Down Syndrom oder Stoffwechselerkrankungen untersucht.

Durchgeführt wird die Amniozentese etwa ab der 13. Schwangerschaftswoche, selten früher. Im Vorfeld wird per Ultraschall die genaue Lage des Kindes bestimmt, damit die Entnahme auch gelingt. Bei der eigentlichen Untersuchung führt der Arzt eine Nadel durch die Bauchdecke in die Fruchtblase hinein und entnimmt etwas Fruchtwasser. Dieser Prozess dauert in der Regel nicht länger als 15 Minuten und wird von den meisten Frauen nicht schmerzhafter als eine normale Blutentnahme empfunden, weshalb die Einstichstelle nur äußerst selten betäubt wird. Nach der Entnahme sollte sich die Schwangere ein bis zwei Tage ausruhen, um das Risiko einer Fehlgeburt durch den Eingriff zu veringern. Nach maximal drei Tagen liegen meist erste Ergebnisse (des FisH-Tests) zur Anzahl der Chromosomen vor. Für ausführliche Ergebnisse, bei denen auch Defekte an den Chromosomen erkennbar sind, bedarf es einer kultivierung der entnommenen Zellen, was bis zu drei Wochen dauern kann. Eine Geduldsprobe für die schwangere Frau.

In welchen Fällen wird die Untersuchung empfohlen?

  • Risikoschwangerschaften aufgrund des Alters
    Frauenärzte empfehlen in aller Regel über 35jährigen Schwangeren eine Fruchtwasseruntersuchung, weil ab diesem Alter die Gefahr für Gendefekte wie das Down Syndrom steigt.
  • Nach auffälligem Ultraschallbefund
    Frauen jeder Altersklasse mit einem auffälligen Ultraschallbefund wird geraten, die kindlichen Zellen im Fruchtwasser untersuchen zu lassen.
  • Erkrankungen im Verwandtenkreis
    Eltern, die bereits ein behindertes Kind haben, lassen ebenfalls oft eine Amniozentese vornehmen, um weitestgehend sicher zu sein, dass der Nachwuchs gesund zur Welt kommen wird. Auch bestimmte Erbkrankheiten, die möglicherweise in der Familie vorkommen, können im Rahmen einer Fruchtwasseruntersuchung erkannt werden.
  • bei extremen Ängsten vor Behinderungen
    Manche Schwangeren haben zudem einfach große Angst davor, ein behindertes Kind zu bekommen und wollen per Fruchtwasseruntersuchung die Sicherheit haben, dass alles in Ordnung ist. Bei sehr großen Ängsten empfehlen Frauenärzte daher ebenso den Eingriff, damit die Frau angstfreier durch die Schwangerschaft gehen kann. Wichtig ist es in diesem Fall Risiko und Nutzen der Untersuchung sorgfältig abzuwägen.
  • Blutgruppenunverträglichkeit
    Im letzten Drittel der Schwangerschaft wird eine Fruchtwasseruntersuchung empfohlen, wenn eine Blutgruppenunverträglichkeit von Mutter und Kind vorliegt.

Welche Risiken birgt eine Fruchtwasseruntersuchung?

Nicht ohne Grund wird die Amniozentese nur unter bestimmten Vorraussetzungen durchgeführt und gehört nicht zur normalen Vorsorge einer Schwangeren. Es gilt deshalb gemeinsa mit dem betreuenden Frauenarzt sorgfältig abzuwägen ob eine Fruchtwasseruntersuchung zum Wohl des Kindes bzw. der Mutter ist oder das Risiko als zu hoch empfunden wird. Zudem sollte man sich bereits vor dem Eingriff bewusst machen, welche Folgen ein auffälliges Ergebnis für den weiteren Schwangerschaftsverlauf haben kann.

  • Verletzungen an Gebärmutter oder Mutterkuchen
  • Verletzungen des Kindes durch die Nadel (weshalb vorsichtshalber meist im Bereich des Rückens oder der Beine des Babys punktiert wird)
  • Kontraktionen der Gebärmutter (Wehen), die allerdings in den meisten Fällen schnell wieder nachlassen
  • sehr selten Infektionen der Einstichstelle
  • Fruchtwasserverlust (bei konsequenter Bettruhe verschließt sich die Fruchtblase aber meist sehr schnell von selbst)
  • Fehlgeburt

Statistiken anhand derer man eine verlässliche Prozentzahl an Fehlgeburten in Folge einer Fruchtwasseruntersuchungen bekommt gibt es leider kaum. Bei Untersuchungen in der Spätschwangerschaft und Routineamnizentesen spricht man von 0,2 bis 1 Prozent. Im Durchschnitt ist von einer 2 bis 3 mal so hohen Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt die Rede als bei einer Schwangerschaft ohne Untersuchung.

Wie ist mit dem Ergebnis umzugehen?

Die beste Nachricht ist natürlich, wenn der Laborbefund unauffällig war und keinerlei Hinweise auf Gendefekte, Chromosomenstörungen oder Stoffwechselerkrankungen gefunden wurden. Falls Eltern es noch nicht wissen, können sie nun auch das Geschlecht des Kindes erfahren.

Um tiefgreifende Entscheidungen geht es allerdings, wenn der Befund ergeben hat, dass ein Krankheitsbild vorliegt. Die Bestimmung eines Krankheitsbildes durch eine Fruchtwasseruntersuchung ist zu 98 Prozent sicher. Problematik: Dies gilt nur für die Untersuchung auf konkrete Gendefekte. Ein unauffälliger Befund heißt dementsprechend nicht, dass nicht eine Erkrankung vorliegen kann, auf die nicht getestet wurde.

Die Gewissheit ein wahrscheinlich behindertes Kind in sich zu tragen, stellt viele Paare vor eine große Hürde. Die Entscheidung für oder gegen ein Kind ist wohl eine der schwersten, mit der man im Leben konfrontiert werden kann. Geht es um die Gesundheit des Babys, so ist fast immer ein Spätabort möglich, sofern er gewünscht ist. Das Leben eines Babys aufgrund einer Krankheit oder Behinderung zu beenden will dennoch sehr gut überlegt sein.

Für Eltern ist ein solcher Abbruch praktisch immer ein traumatisches Erlebnis. Daher sollte schon vor der Fruchtwasseruntersuchung klar sein, was das Ergebnis bedeuten kann und welche Maßnahmen unter Umständen getroffen werden müssen.


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Kommentare

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[…] Diesen sollte man noch einmal bewusst in vollen Zügen genießen. In der 16. SSW ist nun auch eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) möglich um bei Bedarf mögliche Erkrankungen oder Behinderungen […]

Antworten

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[…] man hierbei allerdings nur Wahrscheinlichkeiten, welche durch eine weitere Untersuchung wie der Fruchtwasseruntersuchung belegt oder ausgeschlossen werden […]

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