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Zytomegalie – Schwangerschaft in Gefahr?

Während der Schwangerschaft wird man mit so manchen Dingen zum ersten Mal konfrontiert, die man zuvor noch nie gehört hat. Neben den vielen Tests, die Frauenärzte im Zuge der ersten Besuche automatisch durchführen, wie beispielsweise das Ermitteln des Rhesus-Faktors oder häufig auch einer Untersuchung auf Immunität gegen Taxoplasmose, kommt auch immer häufiger ein Test auf Zytomegalie bzw. den CM-Virus zur Sprache. Leider aber nach wie vor nicht immer, was ich als Mutter beispielsweise schmerzlich erfahren musste. Was bei schwangeren Frauen, die viel in Kontakt mit anderen Menschen kommen, wie Kindergärtnerinnen oder Arzthelferinnen sofort auf der Tagesordnung steht, geht bei Frauen ohne erhöhtes Risiko leider ab und an auch unter. Um so wichtiger, dass über diese Erkrankung häufiger informiert wird um werdenden Müttern die Möglichkeit zu geben sich durch bestimmte Maßnahmen zu schützen bzw. sich bei einer Erkrankung behandeln zu lassen.

Was ist Zytomegalie (CMV)?

Zytomegalie ist eine Infektionskrankheit, die durch einen Virus ausgelöst wird. Der Zytomegalievirus (eine Art Herpesvirus) kann über verschiedene Wege wie Geschlechtsverkehr, über das Blut oder weitere Körperflüssigkeiten wie Urin oder Speichel übertragen werden. Die Inkubationszeit, d.h. die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten von Symptomen, wird von Medizinern auf zwei bis sechs Wochen geschätzt. In etwa die Hälfte aller gebärfähigen Frauen hat glücklicherweise bereits eine Erkrankung hinter sich und ist somit gemeinsam mit dem Kind durch Antikörper geschützt.

Symptome und Nachweis

Nur 1 bis 2% der Betroffenen erkennen aufgrund der schwachen Symptome eine Infektion. Die große Mehrheit der Infizierten bleibt dadurch unerkannt und – besteht keine Schwangerschaft – ohne Folgen. Lediglich ein geschwächtes Immunsystem kann zum Ausbruch der Krankheit führen. Anzeichen der Viruserkrankung ähneln denen einer Grippe und beinhalten Fieber, Schwindel und Kopfschmerzen. Ein Test auf das Vorhandensein des Virus ist möglich und wird vor der Schwangerschaft oder in der Frühschwangerschaft empfohlen. Der Virus kann in Gewebeproben, Blut und Urin nachgewiesen werden. Die Symptome des Virus werden bei Bedarf mit Virostatiker behandelt.

Zytomegalie in der Schwangerschaft

Die Virusinfektion ist für die Schwangere selbst nicht gefährlich, das Erkennen ist aber aufgrund von möglichen Folgen für das Kind wichtig. Denn, die Übertragung auf das ungeborene Kind geschieht über die Plazenta, dem Nährboden des Fötus. Bei einer Primärinfektion (einer Erst-Infektion während der Schwangerschaft), die für das Kind am schädlichsten ist, wird das Virus zu 40 bis 50% Wahrscheinlichkeit auch auf das Ungeborene übertragen, wobei hiervon bei ca. 13% das Virus auch ausbricht. Neben einer Frühgeburt können dann nach der  Geburt Leber- oder Milz-Vergrößerungen, Gelbsucht, Hör- und Sehschäden sowie Krampfanfälle und Behinderungen auftreten. Auch Fehlbildungen im Magen-Darm Bereich und im Herz-Kreislauf System sind typische Schäden einer Erkrankung durch den Virus. Entwicklungsstörungen mit körperlichen und geistigen Schäden sind ebenso als Folgeschäden bekannt.

Behandlung

Wenn während der Schwangerschaft das Virus erkannt wird, so ist es möglich, durch eine Ultraschalluntersuchung bereits vorhandene Schädigungen des Ungeborenen zu erkennen. Während der Schwangerschaft kann außerdem eine Fruchtwasserpunktion Klärung über eine Übertragung auf den Fötus bringen. Eine Behandlung mit dem Wirkstoff Cytotect soll die Übertragung auf das Ungeborene verhindern. Auch wenn der Fötus bereits infiziert ist, kann das CMV-Hyperimmunglobulin der Schwangeren verabreicht werden und über die Plazenta zum Fötus gelangen, wo es wirken kann. Neben einer Fruchtwasseruntersuchung während der Schwangerschaft, die natürlich auch Risiken birgt, kann alternativ auch nach der Geburt durch Blutprobe festgestellt werden, ob sich das Kind mit dem Virus infiziert hat. Eine Impfung gegen das Virus gibt es leider noch nicht. Da die Gefahr des Virus vor allem für Ungeborene während der Schwangerschaft und für Neugeborene besteht, sollten Vorsichtsmaßnahmen im Falle einer Schwangerschaft getroffen werden. Empfohlen werden erhöhte Hygienemaßnahmen wie das gründliches Händewaschen mit Seife. Außerdem sollte wenn möglich der Kontakt mit Kleinkindern vermieden werden, da bei Ihnen die Gefahr sich durch Stuhl anzustecken höher ist als bei größeren Kindern oder Erwachsenen, die nicht mehr gewickelt werden müssen oder eben grundsätzliche Hygienestandards einhalten.

Eigene Erfahrungen mit dem Zytomegalie-Virus

Bei unserem Sohn wurde einige Monate nach der Geburt eine Hörschädigung festgestellt. Im Zuge einer Blutuntersuchung kam man zu der Feststellung, dass er bereits eine Immunität gegen das Zytomegalie-Virus aufgebaut hat. Das bedeutet, dass er bereits eine Erkrankung mit dem Virus hinter sich hat. Weil leider nicht mehr eindeutig festgestellt werden kann, ob der Virus beim Stillen oder bereits im Mutterleib übertragen wurde ist nicht zu 100 % sicher ob seine Hörschädigung an einer Infektion liegt. Sein Krankheitsbild allerdings passt hervorragend in den typischen Verlauf dieser Erkrankung. Weitere Schädigungen an Gehirn oder Organen sind uns glücklicherweise erspart geblieben. Hätte ich damals bereits vom Zytomegalie-Virus gewusst hätte ich möglicherweise eine Ansteckung verhindern können, da sich während der Schwangerschaft auch seine größere Schwester noch im Wickelalter befand und möglicherweise Träger und somit auch Überträger des CMV gewesen ist.


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Kommentare

Rodolfo Weber 10. Februar 2017 um 22:18

Wie gehts den Kind mit den Hörschaden?

Antworten

Lisa Werner 13. Februar 2017 um 12:28

Hallo Rudolfo,

mein Sohn ist mittlerweile fast 5 Jahre alt. Es haben sich glücklicherweise tatsächlich keine weiteren Erkrankungen gezeigt, die in Kombination mit dem Zytomegalievirus gebracht werden könnten. Er trägt Hörgeräte beidseits und besucht einen Kindergarten für hör- und sprachauffällige Kinder. Er kommt dort super zurrecht und hat innerhalb der letzten zwei Jahre immense Fortschritte gemacht. Man hört an seinem Sprechen, dass er schwerhörig ist: Buchstaben wie das „S“ sind leicht gelispelt. Das legt sich evtl. auch wieder. Das Vokabular steigt und steigt. Zwar ist er nicht auf dem Stand eines 5-jährigen sprachlich, hinkt jedoch auch nicht mehr sooo arg hinterher wie noch mit 3. Er kommt gut zurecht – es gibt halt im Alltag die ein oder anderen Problemchen, die sicherlich andere Eltern bzw. Kinder nicht haben, aber so hat jeder sein Päckchen zu tragen. Es hätte uns und ihn deutlich schlimmer treffen können. WIr kommen alle gut zurecht 🙂

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